2015: Deutlich weniger Häuslbauer mit Förderung

Tags: Hausbau, Wohnbau, Förderung, Finanzierung, Einfamilienhaus, Wohnbaubericht

2015: Deutlich weniger Häuslbauer mit Förderung

Oberösterreichs Wohnbauförderungs-Bilanz für 2015 ist zweischneidig: Zwar gab es bei den Miet- und Eigentumswohnungen Zuwächse, jedoch ist die Zahl der Häuslbauer noch einmal gesunken.

Nur noch 1701 Eigenheime wurden im Vorjahr vom Land Oberösterreich gefördert. 2014 waren es 1901 gewesen. Langfristig gilt ein Wert von 2500 als angestrebtes Ziel der Landesregierung, früher waren es auch deutlich mehr.

Wohnbaureferent Manfred Haimbuchner (FPÖ) und Abteilungsleiter Wolfgang Modera wiesen bei der Präsentation der Bilanz heute, Dienstag, zwar darauf hin, dass man im Vergleich zu allen anderen Bundesländern immer noch an der Spitze liege. Jedoch sei die Entwicklung nicht erfreulich.

Hauptgrund ist laut Haimbuchner, dass viele Leute auf die Wohnbauförderung verzichten - wegen der extrem niedrigen Zinsen. Derzeit bekommt man auch frei finanziert sehr gute Konditionen auf zehn Jahre. "Aber ich appelliere an alle Häuslbauer, das Zinsänderungsrisiko nicht zu vergessen. Eine Wohnbaufinanzierung läuft normalerweise 25 Jahre", sagte Haimbuchner. Viele Bauherren würden sich nicht auf die hohen Auflagen in der Wohnbauförderung einlassen wollen und darum auch auf die Förderung verzichten. Haimbuchner will hier in Verhandlungen mit dem Bund Erleichterungen bei den Klimavorschriften erreichen.

Weitere Gründe für die geringere Zahl an Häuslbauern mit Förderung sind Probleme mit der Abwicklung von Energieausweisen, hohe Grundstückspreise und die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit. Wie viele Einfamilienhäuser im Vorjahr tatsächlich baubewilligt wurden, ist noch nicht bekannt. Es kann sein, dass es hier keinen so großen Rückgang gab.

Die Zahl der vom Land geförderten Mietwohnungen ist im Vorjahr von 2022 auf 2165 gestiegen. Jene der Eigentumswohnungen hat ebenfalls etwas zugelegt auf insgesamt 838 (davon 324 mit der großen Wohnbauförderung wie bei den Mietwohnungen und 514 mit einer kleineren Fördervariante).

Interview mit Dr. Manfred Haimbuchner:

1. Wie viele Wohnbauprojekte wurden im Vorjahr gefördert?

Das Land Oberösterreich hat den Bau von 2165 Mietwohnungen finanziell unterstützt. Das ist ein Plus von sieben Prozent gegenüber 2014. Auch 838 Eigentumswohnungen wurden gefördert (plus neun Prozent). Bei den Eigenheimen reduzierte sich die Zahl der geförderten Bauvorhaben aber um elf Prozent auf 1701 Häuser.

2. Bei Einfamilienhäusern gibt es also einen Rückgang. Wie sieht es langfristig aus?

Ernüchternd. 2010 waren es noch 3000 und 2012 rund 2500 Häuslbauer, die Zinsenzuschüsse für ihre Darlehen in Anspruch genommen haben. Wohnbaureferent Manfred Haimbuchner (FPÖ) und Abteilungsleiter Wolfgang Modera betonten zwar bei der Präsentation der Zahlen gestern, Dienstag, dass man im Vergleich zu den anderen Bundesländern immer noch an der Spitze liege. Jedoch sei die Entwicklung nicht erfreulich.

3. Warum gibt es diese starken Rückgänge?

Hauptgrund ist laut Haimbuchner, dass viele Leute bewusst auf die Wohnbauförderung verzichten – wegen der extrem niedrigen Zinsen. Derzeit bekommt man auch frei finanziert sehr gute Fix-Konditionen auf zehn Jahre. "Aber ich appelliere an alle Häuslbauer, das Zinsänderungsrisiko nicht zu vergessen. Eine Wohnbaufinanzierung läuft normalerweise 25 Jahre", sagte Haimbuchner. Viele Bauherren würden sich nicht auf die hohen Auflagen in der Wohnbauförderung einlassen wollen und darum verzichten. Haimbuchner will hier in Gesprächen mit dem Bund Erleichterungen bei Klimaschutzvorschriften erreichen.

4. Gibt es weitere Ursachen?

Gründe für die geringere Zahl an Häuslbauern generell dürften hohe Grundstückspreise und die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit sein. Ein technisches Hindernis gibt es auch. Probleme mit dem verpflichtenden Energieausweis führen laut Wohnbauabteilung zu Verzögerungen. Zwar habe sich die Bearbeitungsdauer wegen einer Änderung beim Förderverfahren verbessert, jedoch seien noch immer viele eingereichte Energieausweise falsch berechnet. Ausstellen dürfen dieses Dokument etwa Baufirmen, Institute und technische Büros. Wie viele Einfamilienhäuser im Vorjahr tatsächlich baubewilligt wurden, ist noch nicht bekannt.

5. Wie ist der mehrgeschoßige Wohnbau einzuordnen?

Hier zeigt sich eine stabile bis leicht steigende Entwicklung. Forderungen, dass angesichts der hohen Nachfrage deutlich mehr gebaut werden müsse, entgegnet Haimbuchner, dass dies die öffentlichen Haushalte nicht hergeben und man sauber wirtschaften wolle. Das Wohnbaubudget beträgt insgesamt rund 285 Millionen Euro. Wohnbauträger werden mit Direktdarlehen gefördert. Die Kritik an den von Haimbuchner eingeführten Wirtschaftlichkeitsparametern und dem neuen Standardausstattungskatalog sieht er entkräftet: "Die Projektabwicklung wird dadurch nicht beeinträchtigt." Auch Mutmaßungen, dass zwar die Standards gesunken seien, die Baukosten aber nicht, weist er zurück: Ohne seine Maßnahmen würden die Kosten stetig steigen, er sei für leistbares Wohnen.

6. Was hat sich bei Sanierungen und Beihilfen getan?

Im Vorjahr hat das Land die Sanierung von 12.842 Wohnungen gefördert. Das war ein Plus von zehn Prozent. 66,1 Millionen Euro an Wohnbeihilfe wurden an 33.052 Bezieher gezahlt (2014: 67,4 Millionen für 32.040 Personen).

7. Bei Alarmanlagen soll es einen Anstieg geben. Stimmt das?

Ja. Das Land förderte im Vorjahr den Einbau von 1038 Alarmanlagen. 2014 waren es 686.

Quelle: www.nachrichten.at